Menschen, die durch Suizid aus dem Leben treten, hinterlassen eine Familie, einen Freundeskreis, eine Nachbarschaft. Fast immer gibt es vorher einen Moment, in dem ein Gespräch möglich gewesen wäre.
Viele haben Angst, das Falsche zu sagen, und schweigen deshalb lieber. Fachstellen sind sich einig, dass wer jemanden auf seine Not anspricht, niemanden auf falsche Gedanken bringt. Im Gegenteil. Über Suizidgedanken und Suizidversuche zu sprechen, ist eine wirksame Form der Prävention. Wer über seine Suizidgedanken spricht, läuft weniger Gefahr, dass sich diese verselbständigen und es zu einem Suizidversuch kommt. Reden kann so Leben retten. Daher ist es auch wichtig, andere darauf anzusprechen, wenn man vermutet, dass er oder sie mit dem Leben hadert. Wichtig ist: Man kann und muss nicht die Probleme seines Gegenübers lösen, denn nachzufragen und Gehör zu schenken, kann bereits entlasten und neue Perspektiven eröffnen.
Hilfe zu holen, ist kein Eingeständnis von Schwäche, sondern ein Zeichen von Stärke. Niemand muss eine solche Situation allein durchstehen. Eine Vertrauensperson aus dem privaten Umfeld, die Hausärztin/der Hausarzt oder weitere professionelle Anlaufstellen können Hilfe leisten.
Suizidprävention ist keine Aufgabe für Fachleute allein. Sie beginnt dort, wo Menschen einander wahrnehmen. Im Verein, am Arbeitsplatz, im Treppenhaus, beim Einkaufen, zu Hause, im Freundeskreis. Mut, Zuversicht und Zusammenhalt entstehen im Kleinen, und genau darum geht es heute.
Jeder Moment zählt. Und niemand ist allein.