Dieser Artikel ist Mitte Juni im Bulletin erschienen.
Die ARA Obfelden reinigt das Abwasser der Gemeinden Obfelden und Maschwanden sowie dem Weiler Dachlissen (Mettmenstetten). Die Anlage wurde 1955 in Betrieb genommen und1996 das letzte Mal erweitert. Aktuell wird die ARA an die ARA Reuss-Schachen angeschlossen (siehe Box). Unerlässlich für das einwandfreie Funktionieren einer ARA sind Klärmeisterinnen und Klärmeister.
«Kurz gesagt sind es der Betrieb und Unterhalt. Das heisst, ich kontrolliere die ganze Anlage auf die richtige Funktion, repariere defekte Maschinen, Pumpen und vieles mehr. Auch passe ich die Klärprozesse den Gegebenheiten an, zum Beispiel bei starken Gewittern. Ebenso bin ich zuständig für die Entnahme der Proben, die wir für die Analytik an die kantonalen Behörden weiterleiten. Auch Umgebungsarbeiten sowie Reinigungsarbeiten zählen zu meinen Aufgaben. Es ist also immer was zu tun.»
«Die Vielseitigkeit des Jobs. Ich bin ursprünglich ausgebildeter Automechaniker, habe dann aber später den Beruf gewechselt. Hier als Klärmeister bin ich Mechaniker, Elektriker, Gärtner, Laborant und PC-Operater in einem. Diese Vielseitigkeit mag ich sehr, auch die Lösungsfindung bei Problemen macht mir Spass.»
«Ja! Wir haben hier einen Zulauf ohne Pumpwerk! Ein grosser Teil der ARAs benötigt ein Hebewerk mit sogenannten Schnecken oder Pumpen, die das Abwasser auf die «Start-Höhe» bringt. Ein Hebewerk hebt das ankommende Schmutzwasser auf ein höheres Niveau, damit es anschliessend den gesamten Reinigungsprozess im natürlichen freien Gefälle ohne weitere Pumpen durchlaufen kann. Obfelden besitzt aufgrund der Lage der ARA kein solches Pumpwerk, das ist eine Ausnahme.»
«Das Abwasser wird in drei Stufen gereinigt: mechanisch, biologisch und chemisch. Mechanisch holt man über den Rechen Fremdstoffe wie Feuchttücher, Kleider, Duftsteinhalter und vieles mehr aus dem Abwasser heraus. Mit einem Sandfang filtern wir auch feinen Sand heraus, der von der Strasse angespült wird. In der anschliessenden Vorklärung lässt man dem Abwasser Zeit, damit sich schwere Partikel absetzen können und dann abgezogen werden, während leichte Partikel nach oben treiben. Das Abwasser geht weiter zur biologischen Stufe mit Milliarden von Mikroben (Kleinstlebewesen), denen wir viel Luft zum Leben einspeisen. Dadurch verarbeiten sie die Nährstoffe aus dem Abwasser. Fressen und Gefressen werden ist die Devise! Chemisch wird anschliessend mittels Eisenmolekülen angereicherter Säure das Phosphatmolekül, das typischerweise von Düngern stammt, ausgefällt und mit dem Schlamm abgezogen. Zuletzt läuft das gereinigte Abwasser wieder zurück zur Natur, bei uns in die Reuss. Das ist aber dann noch kein Trinkwasser. Im gereinigten Abwasser sind noch kleine Mengen an Keimen und Bakterien vorhanden, welche beim Menschen Übelkeit und Durchfall auslösen würden. Die Natur macht die Restreinigung bis zum Trinkwasser.»
«Es geht um den Aufwand, welche solche Verschmutzungen verursachen. Feuchttücher zerreissen nicht und kommen als ganzes Stück in den Anlagen an. Wenn sie in eine Pumpe kommen, bleiben sie rasch stecken. Innert Kürze ist die Pumpe verstopft und muss zerlegt werden. Fette und Öle wiederum können bei grösseren Mengen Leitung verstopfen, da sie haften bleiben. Dann muss eine aufwändige Reinigung erfolgen. Öle können bei geringen Temperaturen fest werden und ein grösseres Volumen annehmen. Das ist ein grosses Problem für eine ARA.»
«Ich finde es gut, dass wir die ARAs zusammenlegen. Da beide Anlagen am Punkt angelangt sind, an dem in viele Erneuerungen investiert werden muss, kann man nun etwas Gemeinsames und grösseres umsetzen.»
Am 4. Mai 2026 fand in Merenschwand der offizielle Spatenstich für das Grossprojekt ARA Reuss-Schachen statt. Vor Ort waren Vertreterinnen und Vertreter aller Verbandsgemeinden des Abwasserverbands Reuss-Schachen (Aristau, Beinwil (Freiamt), Merenschwand und Obfelden). Der Baustart für das Projekt erfolgte Anfang Juni 2026.
Das mit rund 31 Millionen Franken veranschlagte Projekt wird in drei Etappen ausgeführt. Der Projektabschluss ist per Ende 2030 vorgesehen. Die Kosten werden in allen Gemeinden über die regulären Abwassergebühren gedeckt. Anfang Juni haben alle Haushaltungen einen Flyer zum Projekt erhalten.
Weitere Informationen: www.obfelden.ch/ara-projekt